KUNSTHISTORISCHES FORUM IRSEE
VI. FRÜHJAHRSAKADEMIE 2018

 

Künstlerfeste
In Zünften, Akademien und informellen Kreisen

 

Tagungsprogramm

 

FREITAG, 23. März 2018

18.00 Uhr Eröffnung und Vernissage der 30. Ausstellung „Schwäbische Künstler in Irsee“
Jürgen Reichert, Bezirkstagspräsident des Bezirks Schwaben 

19.30 Uhr Abendessen der ausstellenden Künstler und der Teilnehmer der Tagung „Künstlerfeste – In Zünften, Akademien und informellen Kreisen“ des Kunsthistorischen Forums Irsee

Tafelmusik mit „Rock im Schloss“

 

SAMSTAG, 24. März 2018

8.30 – 10.30 Uhr
Begrüßung mit Vorstellung des 5. Bandes des Kunsthistorischen Forums Irsee „BilderGewalt. Zerstörung – Zensur – Umkodierung – Neuschöpfung“ sowie Einführung in das Tagungsthema „Künstlerfeste“ durch die Veranstalter

Prof. Dr. Edgar Lein (Karl-Franzens-Universität Graz)
Giorgio Vasaris Beschreibung der Feste der Compagnia del paiuolo und der Compagnia della cazzuola

Charlotte Mende M.A. (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)
Alle forze dell'accademia“: Vom Patronatsfest zum Akademierundgang. Funktion, Gestaltung und Wandel frühneuzeitlicher Kunstakademiefeste

Dr. Elisabeth Fritz (Friedrich-Schiller-Universität Jena)
Die fête galante als Künstlerfest und Fest der Künste

10.30 Uhr Kaffeepause

11.00 – 12.30 Uhr

Brigitte Metzler M.A. (Düsseldorf)
Kronprinz, Kunst und Karneval Ein Künstlerfest der Düsseldorfer Malerschule (1839)

Sabine Schroyen, M.A. (Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf)
Das Künstlerfest des Malkasten während der fünften deutschen Künstlerversammlung in Düsseldorf, 5.7. August 1860

12.30 Uhr Mittagessen

13.30 – 14.30 Uhr
Dr. Markwart Herzog (Direktor der Schwabenakademie Irsee)
Klosterführung mit Besuch der „Euthanasie“-Gedenkstätten

14.30 – 16.00 Uhr

Edith Heindl M.A (Freiberufliche Kunsthistorikerin, Regensburg)
Apotheose und Kult. Michelangelos 400. Geburtstag in Florenz 1875 als internationales Künstlerfest

Dr. Miriam-Esther Owesle (Guthmann Akademie, Berlin)
... ein Gleichnis in fremdem Gewand“ – Die Künstlerfeste des Vereins Berliner Künstler

16.00 Uhr Kaffeepause

16.30 – 18.00 Uhr

Carina Rech, M.A. (Stockholms Universitet)
Skandinavische Künstlerfeste im 19. Jahrhundert und ihr Einfluss auf die Identitätsbildung von Künstlerinnen im Portrait

Prof. Dr. Christoph Zuschlag (Universität Koblenz-Landau, Campus Landau)
Konstruktionen und Dekonstruktionen geschlechtlicher Identität auf Künstlerfesten des 19. und 20. Jahrhunderts

18.00 Uhr Abendessen und Beisammensein im Stiftskeller

 

SONNTAG, 25. März 2016

9.00 – 10:30 Uhr

Gloria Köpnick M.A. (Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg)
So steuerte ein jeder planlos durch ein Tohuwabohu von Sonnen, Monden und Sternen, das Land des Glücks suchend. Die Künstlerfeste der Oldenburger Vereinigung für junge Kunst

Michael Cornelius Zepter (Köln)
Der Sieg des Clowns“ – Oskar Schlemmers „Treppenwitz“ (Dessau 1927)

10.30 Uhr Kaffeepause

10:45 – 12.45 Uhr

Dr. Janina Nentwig (Freiberufliche Wissenschaftlerin & Autorin, Berlin)
Kommse im FRACK, Vaehrtester, denn zahl'n Se STRAFE“ – Die Feste der Berliner Novembergruppe

Dr. Ingrid Holzschuh M.A. (Wien)
Karikatur oder politische Propaganda? Die Ausgestaltung der „Gschnasfeste“ im Wiener Künstlerhaus, 1933 und 1939

Prof. Dr. Sigrid Hofer (Philipps-Universität Marburg)
Bohème in Karl-Marx-Stadt. Künstlerfeste zwischen Subkultur und Staatssicherheit

13.00 Uhr Mittagessen, Tagungsende, Abreise

 

Leitung

Dr. Markwart Herzog, Irsee
Dr. Sylvia Heudecker, Irsee
Prof. Dr. Birgit Ulrike Münch, Bonn
Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke, Trier

Als Kooperationspartner konnten wir den Berufsverband Bildender Künstler (BBK) in Schwaben gewinnen, der sein Jubiläumsfest anlässlich seines 30-jährigen Bestehens mit unserer Tagung synchronisiert.

 
Walter Gropius zufolge bestand die beste Möglichkeit, mit Problemen fertigzuwerden, darin, ein Fest zu feiern und beschrieb die Feste am Bauhaus als ›Katharsis‹ – ohne die reinigende Wirkung eines fröhlichen Festes ähnlich eines heftigen Gewitterregens wäre die Trias aus Arbeiten, Leben und Kunst in der Gemeinschaft mit allen unterschiedlichen und unangepassten Künstlerindividuen sehr schwer gewesen.

Die Tagung „Künstlerfeste“ befasst sich mit den Spielarten unterschiedlichster Zusammenkünfte von Bildenden Künstlern und verfolgt das Ziel, die textlichen, und insbesondere die bildlichen Zeugnisse der verschiedensten Feste anhand von zentraleuropäischen Fallbeispielen vorzustellen.

Ein Künstlerfest hat und hatte die unterschiedlichsten Funktionen: Neben der geschilderten ›bereinigenden‹ Wirkung beim Arbeiten in enger Abhängigkeit und Konkurrenz ist das identitätsstiftende Moment zu beachten, ferner die oftmals auch ironische Abgrenzung zu einer anderen Künstlergruppe. Durch unterschiedliche Motti des Künstlerfestes konnten Künstler jedoch auch auf bestimmte politische Ereignisse reagieren, aktuelle Positionen publik machen, kulturelle Gemeinsamkeiten oder Diversität betonen.

Welche Handlungsspielräume des individuellen Künstlers bzw. des Künstlerkollektivs wurden durch den Festablauf ausgeschöpft? Wie sind die Möglichkeiten der Auto- bzw. Gruppenrepräsentation und die Konstruktionen der geschlechtlichen Identität innerhalb der unterschiedlichsten Feste zu definieren? Zahlreiche Künstlerfeste konnten durch ein hoch ambitioniertes Konzept überzeugen und wandten sich in einigen Fällen auch explizit an die anvisierte Käuferschaft.

Während das Thema der höfischen und städtischen Festkultur(en) auf eine produktive Forschungstradition zurückblickt, ist die Geschichte des Künstlerfestes mit all seinen Implikationen, Zäsuren und Kontinuitäten bislang noch nicht erschöpfend behandelt worden.