KUNSTHISTORISCHES FORUM IRSEE
VIII. FRÜHJAHRSAKADEMIE 2020 – neuer Termin, siehe unten

Tagungsprogramm

Der Künstler als Buchhalter:

Serielle Aufzeichnungen zu Leben und Werk

27 – 29. März 2020; neu: 4. – 6. Dezember 2020

(aufgrund des Coronavirus musste der Tagungstermin verschoben werden)

 

FREITAG, 27. MÄRZ 2020; neu 4. DEZEMBER 2020

Anreise, ab 18:00 Uhr Abendessen

19:30 Uhr

Begrüßung durch Dr. Markwart Herzog, Direktor der Schwabenakademie Irsee

Grußwort von Prof. Dr. Ursula Braasch-Schwersmann, Akademische Direktorin des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde (Marburg)

Vorstellung des Referenten durch Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke (Trier)

Abendvortrag

Dr. Christof Metzger (Wien)

Der "heymlich schatz": Albrecht Dürer als Sammler und Kurator

Der Redner ist Chefkurator der Wiener Albertina und betreut darüber hinaus den Sammlungsbereich der deutschen Kunst vom 15. Jahrhundert bis zum Klassizismus. Zuletzt realisierte er in Wien die international viel beachtete Dürer-Ausstellung (2019/20). Mit nahezu 140 Arbeiten besitzt die Albertina den weltweit größten und bedeutendsten Bestand an Zeichnungen Albrecht Dürers (1471–1528).

 Im Anschluss an den Vortrag besteht die Möglichkeit zum geselligen Beisammensein im Stiftskeller

 

SAMSTAG, 28. MÄRZ 2020; neu: 5. DEZEMBER 2020

9:00 Uhr

Begrüßung mit Vorstellung des 7. Bandes des Kunsthistorischen Forums Irsee „Künstlerreisen. Fallbeispiele vom Mittelalter bis zur Gegenwart“; Einführung in das Tagungsthema „Der Künstler als Buchhalter“ durch die Veranstalter

Prof. Dr. Holger Th. Gräf (Marburg)
Das fragmentarische Geschäftsbuch des Kupferstechers Johann Philipp Thelott (1639–1671). Eine bislang unbekannte Quelle zur Frankfurter Kunst- und Verlagsgeschichte

Dr. Andrea Pühringer (Grünberg)
Thelotts Geschäftsbuch aus wirtschaftshistorischer Perspektive betrachtet: Zur Kaufkraft in Frankfurt am Main nach dem Dreißigjährigen Krieg

10:30 Uhr Kaffeepause

Prof. Dr. Sebastian Fitzner (Berlin)
Aufzeichnungen über Bauten, Risse und Einnahmen eines Architekten – Zum Inventarium (1630–32) von Heinrich Schickhardt

Dr. Ursula Härting (Hamm)
Kosten für Arzt, Farben und Kopisten – Der buchhalterische Jan Brueghel d. J. (1601–1678)

12:30 Uhr Mittagessen

14:30 Uhr 

Dr. Wolfgang Cilleßen (Frankfurt am Main)
Das Arbeitsbuch des Rudolstädter Porträtisten Johann Christoph Morgenstern (1697–1767)

Frauke Grams M.A. (Passau)
Die Arbeitsbücher von Joseph Vernet (1714–1789)

16:00 Uhr Kaffeepause

Vorabendvortrag

Dr. Jens Fachbach (München / Trier)
"An einem Portrait von durchl. Fürst zu Saarbrücken den Bauch dünner gemacht" – Das Arbeitsbuch (1791–1812) des Nassau-Saarbrückischen Hofmalers Johann Friedrich Dryander (1756–1812)

Bei der Fallstudie wird ein sehr seltenes Dokument zu den Arbeits- und Lebensbedingungen eines Hofkünstlers sowie seine Anpassung an gewandelte Zeiten erschlossen. Denn die Aufzeichnungen fallen in die Umbruchzeit von der Vormoderne hin zur Moderne.

18:00 Uhr Abendessen und Beisammensein im Stiftskeller

 

SONNTAG, 29. MÄRZ 2020; neu: 6. DEZEMBER 2020

9:00 Uhr

Sophia Dietrich-Häfner M.A. (Leipzig)
Die Auftragsbücher und Werkverzeichnisse zweier Frankfurter Künstler- und Restauratoren-Generationen: Johann Ludwig Ernst Morgenstern (1738–1819) und Johann Friedrich Morgenstern (1777–1844)

Dr. Edith Heindl (Regensburg)
"Écrire la peinture, écrire la vie" – Eugène Delacroix (1798–1863): Der Maler als Buchhalter seines Lebenswerkes

10:30 Uhr Kaffeepause

Fabian Lorenz Winter M.A. (Weimar)
Die Briefbuchführung des Bildhauers Ignatius Taschner (1871–1913)

Dr. Heiner Krellig (Berlin / Venedig), dott.ssa Catarina Borsato (Venedig)
Das Rote Buch von Renato Borsato (1927–2013)

12:30 Uhr Tagungsende, Mittagsessen, Abreise

 

Leitung

Dr. Markwart Herzog, Irsee

Dr. Sylvia Heudecker, Irsee

Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke, Trier

in Kooperation mit

Prof. Dr. Holger Th. Gräf, Marburg

Gefördert vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde (Marburg), der Schwabenakademie Irsee und der Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte (TAK)

 

Künstlerstereotypen schließen das Bild eines akribischen Buchhaltens aus. Doch da auch Künstlerinnen und Künstler Unternehmer waren und sind, gehört die Buchhaltung ebenso zum Erfolg wie Kreativität und das Kunstschaffen selbst.

Zum ersten Mal wird das Thema für eine kulturwissenschaftliche Betrachtung in einer Tagung aufgegriffen und ein Überblick anhand von Fallstudien von der Renaissance bis zur Gegenwart aufgezeigt, wobei Studien zu hessischen Künstlern eine Vergleichsgruppe bilden.

Unter dem generellen Gesichtspunkt des buchhaltenden Künstlers sind von Künstlern selbst angelegte Arbeitsbücher und Werkverzeichnisse angesprochen oder Korrespondenzen und Tage- bzw. Reisebücher, die für einen längeren oder kürzeren Zeitraum Einblick in das Anfertigen oder den Verkauf von Kunstwerken geben, deren Auftraggeber bzw. Käufer dokumentieren oder die Lebens- und Arbeitsbedingungen reflektieren.

Im Idealfall dokumentieren die Aufzeichnungen über eine größere Zeitspanne hinweg erledigte Aufträge (mit den Namen von Auftraggebern, erzielten Preisen bzw. auch von Außenständen) sowie die Arbeitsbedingungen, den Materialverbrauch, getroffene Vereinbarungen oder, bei handschriftlichen Œuvre-Katalogen, das ›Formen‹ des eigenen Outputs, also das Lenken der Außenwahrnehmung bzw. Rezeption des eigenen künstlerischen Schaffens.

Mitunter sind im allgemeineren Sinn diese Quellen auch als Selbstzeugnisse zu lesen, da persönliche Gedanken- oder Erlebnisschilderungen einfließen können. Die Quellen können auch belegen, dass der Künstler sich nicht hauptsächlich durch den Verkauf seiner Werke ernährte, sondern andere Einnahmen hatte, um den Lebensunterhalt zu sichern.

Die Tagung soll möglichst viele Facetten dieser Quellengattung aufzeigen, um erstmals zu einer Vergleichsebene der buchhalterischen Aspekte der Künstlerexistenz zu gelangen.